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Bisam Schädel

Photogrammetrie im Spurenlesen

Photogrammetrie in der Spurenkunde

Die Erstellung von 3D-Modellen mittels Photogrammetrie – also der Rekonstruktion von Objekten aus einer Vielzahl von überlappenden Fotos – revolutioniert die Art und Weise, wie Natur dokumentiert werden kann. 

Warum 3D-Modelle von Tierschädeln und Trittsiegeln sinnvoll sind

  • Objektivität & Präzision: Ein Foto ist zweidimensional. Ein 3D-Modell erlaubt es die Spur oder den Schädel von allen Seiten zu betrachten.

  • Zerstörungsfreie Archivierung: Trittsiegel in Schlamm oder Schnee sind vergänglich. Ein Gipsabdruck ist physisch sperrig und kann brechen. Ein 3D-Modell ist unvergänglich und nicht zerstörbar.

  • Zugänglichkeit: 3D Modelle können online zugänglich gemacht werden und weltweit geteilt werden. Digital können Schädel und Zahnstrukturen am PC aus jedem Winkel studiert werden.

 

In meinem Fernlehrgang "Spurenlesen vor der Haustür" habe ich bereits 21 Tierschädel und jede Menge weiterer Spuren als 3D Modelle hinterlegt. 

Anwendung in Fährtenleserkreisen

  • Digitale Daten können zur Verifizierung von Sichtungen genutzt werden. Ein 3D-Modell gilt als „Hard Fact“, da es nachträglich von Experten weltweit validiert werden kann.

  • Forensik: Die Kriminaltechnik nutzt Photogrammetrie zur Tatortdokumentation, Spurensicherung und 3D-Rekonstruktion. Die Photogrammetrie bei Tierspuren ist technisch identisch mit polizeilicher Arbeit.

  • Wissenschaftliche Datenbanken: In Projekten werden Sammlungen digitalisiert, damit Forscher weltweit Vergleiche anstellen können, ohne dass wertvolle Stücke verschickt werden müssen.

Der Nutzen als Lernhilfe & Nachschlagewerk

Der Nutzen von 3D‑Modellen als Lern‑ und Nachschlagewerk liegt vor allem in ihrer Anschaulichkeit und Interaktivität. Sie ermöglichen ein räumliches Verständnis komplexer Strukturen, das mit 2D‑Abbildungen nur schwer zu erreichen ist. Durch die Möglichkeit einzelne Bestandteile zu drehen oder zu vergrößern, können Lernende in ihrem eigenen Tempo erforschen, Fragen sofort beantworten und Zusammenhänge eigenständig herstellen. Gleichzeitig dient das digitale Modell als permanentes Referenzobjekt. Das gleiche Modell kann von verschiedenen Kursen, Fachbereichen oder Lernenden einheitlich verwendet werden. Das Resultat ist ein schnellerer Wissenserwerb, weniger Fehlinterpretationen und ein standardisiertes Nachschlagewerk, das unabhängig vom physischen Präparat dauerhaft verfügbar bleibt.

3D Photogrammetrie Schädelvergleich Dachs und Fuchs

3D Vergleich von Dachs- (links) und Fuchsschädel (rechts

Weitere technische Möglichkeiten

  • 3D-Druck: Die „digitalen Funde“ können (bei entsprechender Qualität des 3D-Modells) selbst ausgedruckt werden, um haptische Kopien zu haben.

  • VR/AR-Integration: Mit einer AR-App könnten Interessierte ein virtuelles Trittsiegel in ihrem eigenen Garten auf den Boden „projizieren“, um die Größe direkt mit einer realen Spur zu vergleichen.

Vorteile für Spurenleser

  • Exakte digitale Reproduktion von Morphologie und inneren Strukturen

  • Schnellere Vergleichsstudien zwischen Arten oder Individuen ohne weitere physische Präparate

  • Virtuelle Visualisierung für Lehr- und Präsentationszwecke, auch ohne den Originalschädel zu  zeigen

  • Unterstützt digitale Archivierung und langfristige Datensicherung, unabhängig von Zerstörung oder Verfall des Originals

  • Es kann somit eine digitale Referenzsammlung geschaffen werden, die die Hürden des physischen Sammelns (Platzmangel, Geruch, rechtliche Vorgaben bei geschützten Arten) umgeht

  • Präzision statt Vermutung: Du lernst nicht nur anhand von flachen Bildern, sondern durch das Studium von echten Tiefenstrukturen und Winkeln. Das schult dein Auge für kleinste Details, die draußen im Feld über eine sichere Bestimmung entscheiden.

  • Interaktives Nachschlagewerk: Ob du die 42 Zähne eines Fuchsschädels untersuchst oder die Druckverteilung eines Dachstrittsiegels analysierst – du hast die volle Kontrolle über Licht, Winkel und Zoom.

  • Lernen ohne Grenzen: Eine Referenzsammlung mit 3D Modellen, macht dich unabhängig von deinem Standort. Es ist, als hättest du eine physische Spurensammlung immer in der Hosentasche dabei.

Nachteile von 3D Modellen

  • Anschaffungskosten von Gerät und Software

  • Fehlende Material- und Texturinformationen: Das 3D Modell gibt nur die Form wieder, nicht die Härte, Dichte oder Oberflächenbeschaffenheit, die für forensische, archäologische oder für spurentechnische Analysen wichtig sein können

  • Digitale Modell können leicht manipuliert werden

  • Verlust des haptischen Feedbacks: Beim Studieren von Spuren oder Schädeln fehlt das taktile Empfinden, das bei physischen Präparaten wichtige Informationen liefert

  • Und der wichtigste Punkt: Bildschirmzeit, obwohl man als Fährtenleser draußen an der Spur hocken könnte!

Fazit

Die Erstellung von 3D-Modellen mittels Photogrammetrie ist weit mehr als eine technische Neuerung – sie ist eine Brücke zwischen der unberührten Natur und moderner Wissensvermittlung. Während echte Fährten im Wald vergänglich sind und physische Sammlungen oft hinter verschlossenen Türen lagern, machen 3D Modelle dieses Wissen für jeden jederzeit greifbar.

Spurenlesen vor der Haustür

 

Ein besonderes Highlights meines Fernlehrgangs "Spurenlesen vor der Haustür" ist die Spuren- und Trittsiegeldatenbank – eine einzigartige Wissensquelle, die in der Szene seinesgleichen sucht. Diese Ressource bietet dir eine umfangreiche Sammlung an Wildtieren und ihren Spuren inklusive Maßen von Trittsiegeln, detaillierten Beschreibungen und einer Fülle an Bildern sowie beeindruckende 3D-Modelle die dir die Analyse erleichtern. Mit diesen Modellen kannst du Spuren aus jedem Winkel betrachten und ihre Merkmale genau analysieren – ein unschätzbares Hilfsmittel, um dein Wissen und deine Fähigkeiten zu vertiefen.

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